Pressemitteilung 23. Juli 2011
Ideen, die man schmecken kann
Der Leipziger Ratskeller mit vollem Einsatz für MaleLE
Mit einem brauen Teint ist Ingo Winkler aus Ägypten zurückgekehrt. Dort hat er nicht etwa Urlaub gemacht, sondern an einer deutschen Hotelschule Prüfungen im Restaurantbereich abgenommen.
Seit fünf Jahren hat er schon auf diese Weise mit ägyptischen Auszubildenden zu tun, die die Ausbildung in deutscher Sprache absolvieren. "Nicht auszudenken, wenn deutsche Azubis plötzlich arabische Buchstaben und Sprache lernen müssten", meint der Geschäftsführer des Leipziger Ratskellers.
Die 68 Prüflinge sähen ihre Chance darin, einmal in einem deutschsprachig geführten Hotel in Ägypten zu arbeiten. "Das Prüfen bedeutet Stress, macht aber auch Spaß", erzählt Winkler weiter, "vor allem, wenn interessierte Leute dabei sind." Der Weg, den einige von ihnen hinter sich hätten, sei unterschiedlich weit.
Manche stammten aus Familien mit hohem Bildungsgrad, andere direkt aus einem Berberdorf. Im Gepäck für Ägypten hatte Winkler diesmal etwas, das typisch für Leipzig ist: Papier der Charity-Aktion MaleLE. Die Bilder, die nun per Post aus El Gouna eingetroffen sind, bieten eine bunte Mischung. Die Angestellten der Schule und ihre Kinder haben zu Stift und Pinsel gegriffen, aber auch Auszubildende wie Nonra Youssef, der gleich vier Bilder gemalt hat. Arabische und lateinische Buchstaben, Bleistiftportraits von Weltstars wie Céline Dion, aber auch Vorstellungen vom Leben in Deutschland sind unter den Werken.
Ingo Winkler, der die Bilder vergangene Woche an die LVZ übergab, ist einer von Leipzigs MaleLE-Enthusiasten. Seine rund 50 Mitarbeiter hat er mit der Idee angesteckt.
Ein hölzerner Planwagen thront mitten im Ratskeller, geschmückt mit den bunten MaleLE-Tüten, Pinseln und Paletten. Bis zum 30. Juni gab es sogar eine Speisekarte speziell für MaleLE. Die Aktion der LVZ sei "eine tolle Sache", so der 49-jährige Geschäftsführer. "Man muss nicht viel erklären. Du malst was und die Bilder werden für einen guten Zweck verlost." Neben der einfachen Konstruktion sei es ein persönliches Statement, ergänzt Cornelia Händel. "Das Malen bringt Menschen zusammen, kulturübergreifend, als eine Art Kommunikation." Die 33-jährige Mitarbeiterin im Verkauf und Marketing hat eine Landschaft für MaleLE gemalt. Sie beschreibt das Erlebnis beim Malen als Kopf-freimachen. "Vielleicht schreiben wir demnächst keine E-Mails mehr", meint Winkler, "sondern malen unsere Nachrichten." Dieser Minidialog steht symbolisch dafür, wie im Team des Ratskellers Ideen geboren werden.
Das Image von "Keller, Kohl und Rindsrouladen" sei längst überholt. Natürlich gelte es, neben den klassischen Besuchern und Stammtischgästen auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. So werden die sieben Räume des Ratskellers thematisch unterschiedlich bespielt.
Vom Rittersaal über die Smokers Lounge bis hin zum Kaffee mit den "Fischelanden Gaffeedanden" reicht die Palette. Und die Kreativität schlägt auch sprachlich zu Buche: "Ihr Mund wird Augen machen", heißt der Slogan. Das CookMahl, die Spießgesellen, das 123erlei oder der Name des Caterings, die neue Essklasse, stehen der überbordenden Ideenfreude in nichts nach.
Anna Kaleri .
